Rentierleder

Rentierleder wird in Deutschland nur sehr selten angeboten. Es ist ein qualitativ hochwertiges Leder, das schon in der Steinzeit auch in unseren Breiten verwendet wurde (leider sind die Rentiere seit der letzten Eiszeit bei uns verschwunden). Es ist dementsprechend teuer.
Sie können bestes Rentierleder in zwei Ausführungen bei mir erhalten:






Vegetabilisch (natur-) gegerbtes
Ren-Leder

(Nur selten vorrätig, da teuer und selten zu bekommen).
Der hohe Preis des pflanzlich gegerbten, auf traditionelle Weise hergestellten Leders erklärt sich so:

Ein luftgetrocknetes Fell (also mit Haaren) bringt dem Züchter je nach Größe zwischen 40,00 und 70,00 Euro.

Außer den Arbeitsschritten:
1. Abziehen , 2. Säubern , 3. Waschen , 4. Spannen
hat der Züchter damit keine Arbeit
(den Rest erledigen Luft, Wind und Sonne).

Ein solches Fell ist zwischen > 0,8 - 1m“ (Kalb) bzw. >1,5 m² bis <2 m² (ausgewachsene Tiere, Bullen) groß.
In der Regel werden die Häute von Kälbern verwendet, da sie ein weicheres Leder ergeben.
(Das wiederum stellt schon einen „wirtschaftlichen Verlust“ dar, da ein ausgewachsenes Tier natürlich einen höheren Fleischpreis erzielt.)

Die in Handarbeit gegerbte Haut (Blöße) erfordert dagegen wesentlich mehr Arbeit:
1. Abziehen
2. Säubern
3. Einfrieren (da Herbstfelle erst im nächsten Jahr gegerbt werden können)
4. Einweichen (mehrere Wochen in fließendem Wasser)
5. Entsprechende Anzahl von Nachschauen im eiskalten Wasser lappländischer Bäche
    Die Haare lösen sich jetzt aufgrund des gewollten Fäulnisprozesses (traditionelle Art der Enthaarung).
6. Restliche Haare schließlich ganz entfernen
7. Rohhaut (Blöße) säubern, entfleischen, glätten
8. Salweide suchen und umsägen
9. Entrinden und nach Hause tragen
10.Rinde klein schneiden
11.Rinde ausbreiten und trocknen
    (nur die getrocknete Rinde hat entsprechende Farb- und Gerbstoff-Anteile)
12. Mehrfach wenden, damit sie nicht schimmelig / pilzig wird.

Dann die.Rinde kochen, diese handwarm erkalten lassen, Rohhaut einlegen (mehrere Tage; walken, wenden, kneten (ca. 3 - 4 Stunden), das Ganze ab Schritt 12 nochmals wiederholen, jetzt vegetabilisch gegerbte Rohhaut entwässern, Haut aufspannen, Nachspannen, Entspannen....,
während des Trocknens walken, dehnen, ziehen, ggf. Haut mit rundem Stein nochmals walken oder über einen Bock ziehen (Stollen), um sie geschmeidiger zu machen, ggf. einfetten

(Ich denke, das war es kurz und im Wesentlichen!
Das alles benötigt sehr viel Zeit, wie unschwer zu erkennen und ist auch körperlich anstrengend.
Ich habe es mitgemacht !!!
Meine Hände sahen wochenlang aus wie bei einem Kettenraucher oder Straßenarbeiter, der den Teer mit bloßen Händen aufträgt.)

Zurück zum Preis: Die gegerbte Haut eines Kalbes oder auch eines großen Bullen von ca. 1,8 m² kann in Geld nicht aufgewogen werden. Selbst wenn der Einkäufer nur 60,00 Euro für den m² bezahlt, erhält der Produzent also nur genau nur so viel wie für ein luftgetrocknetes Fell ohne Arbeit.

Deshalb wird diese Gerbung i.d.R. auch nur für den Eigenbedarf gemacht , wenn die Dame des Hauses z. B. traditionelle Leder-Handarbeiten macht.

Chemisch / mineralisch /
industriell gegerbtes Leder

Das im Handel gelegentlich zu kaufende, teure, gegerbte
Rentierleder ist in aller Regel chrom- oder mit Alaun gegerbtes Leder.

Es ist äußerst widerstandsfähig gegen Zug, lässt sich teilweise waschen, ohne beim langsamen Trocknen hart zu werden und wird in vielen traditionellen und auch modernen Farben angeboten.
(Wichtig: besonders farbenprächtiges Leder färbt aber auch gerne aus).
Das in Deutschland angebotene Leder kommt meistens wohl aus Finnland.
Besonders begehrt und dementsprechend noch teurer ist das weitgehend farbechte, hell bis dunkelbraune Rentierleder.
Meist handelt es sich um Rentier-Kalbsleder, das maschinell geglättet, dünn und dabei ebenmäßig stark und sehr weich, ja geradezu samtartig ist.
Aber es gibt auch dickeres Leder vom älteren Kühen und Bullen, das zu Messerscheiden, Hundeleinen, Gürteln o.ä. verarbeitet werden kann. Oft weisen diese ganzen oder halben Häute eine Vielzahl kleiner Löcher auf; teilweise dicht bei einander oder auch getrennt und vereinzelt liegen. Diese stammen von einer Unterart der Dasselfliege, deren Larven sich vom Darm des Tiers bis unter die Haut fressen. Nachdem sie dort ihre Metamorphose abgeschlossen haben, durchstoßen sie als fertiges Insekt die Haut, entfliegen ins Leben, legen Eier im Gras ab, diese werden vom Rentier wieder aufgenommen... der Kreislauf setzt sich fort.
Diese 1-2 mm großen Löcher sind natürlich ein Qualitätsmangel, der sich aber leider kaum im Preis niederschlägt.
Da dieses Leder häufig zur Verarbeitung zu Lederbeuteln, Armbändern und kleineren Stücken allgemein eingesetzt wird, spielen diese Löcher bei entsprechendem Zuschnitt auch keine so große Rolle.
(Gegen diese Fliegenart gibt es Impfungen, die pro Tier etwa 0,25 Cent kosten).
Verfügt ein Züchter nur über 50 oder 100 Tiere, die auf eingezäuntem Gelände gehalten werden, ist das kein Problem. Besteht eine frei lebende Herde aber aus 1000 - 5000 Tieren, die auf vielen Quadratkilometern verstreut, oft Hunderte Kilometer wandern, ist neben dem erheblichen Kostenfaktor natürlich auch ein ganz anderer Arbeitsaufwand zu betreiben, denn freiwillig stellen sich die Rentiere nicht zur Impfung in Reih und Glied.)

Noch ein Hinweis:
Berechnet wird Rentierleder i.d.R. nicht nach halben oder ganzen Häuten oder m², sondern in Quadratfuß (Foot) - (Umrechnung: 11 Quadratfuß = 10 219 cm2= 102,19 dm2 = 1.02 m2 oder anders dargestellt:
1 ft. = 1' = 12 in. = 1/3 yd. = 30,48 cm = 0,3048 m²)
1 m² Rentierleder würde also aus ca. 10 – 11 quadratischen Stücken a` ca. 30 - 33 cm Seitenlänge bestehen. Da die Stücke aber selten so gearbeitet sind, muss man höllisch aufpassen, um „nicht übers Ohr gehauen zu werden“. Am besten die einzelnen Stücke nebeneinander legen und dann nachmessen.
Ein "Tip": Oft steht die Größe eingestanzt auf der Rückseite (in foot).

Mitunter habe ich auch Rindsleder im Angebot (öfter gut nutzbare Reste). Fragen Sie mich einfach!